Ich habe oft darüber nachgedacht, was Liebe eigentlich bedeutet. Ist es „nur“ körperliche Anziehung, oder ist doch eher das was unter unserer „harten Schale“ mit uns geschieht? Muss es laut ausgesprochen werden, oder genügt das Gefühl das dir jemand gibt?
Liebe ist für Viele erstmal „Feuerwerk“. Man sieht sich, trifft sich, lernt sich kennen und irgendwann kommt „Armor“ und haut dir seinen Pfeil ins Herz. Im Idealfall passiert das bei Beiden und im selben Idealfall, bleibt dieses Gefühl für Jahre erhalten. Aber das ist, wie ich lernen musste, ein Wunschbild. Je länger man zusammen ist, desto mehr wird von dem Inneren sichtbar. Das was man anfänglich attraktiv fand, wird durch das was hinter der Fassade ist, verändert. Man versucht sich „anzupassen“, damit man dem Gegenüber gerecht wird und verliert sich selbst dabei. In solchen Momenten geschieht meist das man hinterfragt, ob das wirklich das ist, was man „für immer“ wollte.
Oft genug gehen solche Verbindungen verloren, weil sie nur auf „die schönen“ Seiten geschaut und gebaut haben. Das Hässliche, die Wunden, das was tief in einem steckt ist meist nicht so „liebenswert“. Wir reden hier nur von unserem Inneren, nicht von dem was äußerliche Attraktivität mit uns macht: Entweder du liebst die Hülle, oder den Kern. Hier trennen sich meist die Wege. Das Innere ist selten eine „Blumenwiese“ und oftmals doch eher ein „Friedhof“. Enttäuschungen, Ängste, Verluste prägen das was wir sind und wie (und vor allem WEN) wir bereit sind zu lieben.
Ich würde das hier nicht schreiben, wenn es nicht auch eine andere Form gäbe. Eine Liebe die eben nicht aus dem gewachsen ist, wo alles „schön und leicht“ war. Wo man am Rand des Abgrundes stand und jemand kam um dich vom Springen abzuhalten. Als Freund, als jemand dem das Wohl des Anderen wichtiger war, als sein Eigenes in diesem Moment. Der blieb, auch wenn alles chaotisch und zerstörerisch in einem war. Er schaut auf das was eben nicht „perfekt“ in dir ist. Jeder Mensch hat eine „dunkle“ Seite. Meist gut versteckt unter der „harten Schale“ und nur wenige dürfen darunter sehen. Meist lässt man das nicht zu, außer es kommt dieser „eine“ Mensch der keine Angst davor hat, dich „wirklich zu sehen“. Der sich die Mühe macht dich zu (er)kennen, verstehen und bleiben will.

Der Mensch, der dich wirklich so nimmt wie du bist und dich einfach auch so sein lässt. Der nicht versucht dich zu reparieren oder zu formen. Der bleibt auch wenn es hässlich wird. Und besonders ist es, wenn dieser Mensch sich immer wieder für dich entscheidet. Der dich trotz dieser „Hässlichkeit“ trägt und hält. Mit dem du Nebeneinander gehst, statt zu ziehen oder zu drücken um ihn in eine bestimmte Richtung zu zwingen. Es entsteht das, was in vielen Beziehungen (und auch Freundschaften) meist fehlt: Gegenseitigkeit und Augenhöhe. Und ja, es ist nicht das perfekte das uns dann berührt, es ist das echte und ungeschminkte Gesicht eben dieser Innenwelt. Vor allem dann wenn sie sich ähneln. Es ist dieses stille „Erkennen“. Du bist wie ich und ich bin wie du: Unperfekt perfekt.
Echte Liebe entsteht, wenn zwei Menschen sich in den tiefsten Abgründen ihrer Selbst begegnen und sich bewusst immer wieder füreinander entscheiden, tragen, halten und bleiben.
Diese Form von Liebe ist selten, aber sie existiert. Es ist auch nicht das „laute“ rausschreien der berühmten drei Worte. Es ist die, die durch Taten sichtbar wird. Bleibt jemand, auch wenn man sich selbst nicht leiden kann? Liebt er dich, wenn du dich selbst nicht lieben kannst? Bleibt er, wenn alles im Chaos versinkt und deine Ängste dich übermannen? Bleibt er auch dann, wenn du es nicht schaffst es zu sagen, was du empfindest? Wenn auf alle diese Fragen ein „Ja“ folgt, dann „liebst“ du bereits. Nicht die Hülle, sondern den Kern der eben nicht „perfekt“ ist. Um die Frage am Eingang zu beantworten: Ja, es ist Liebe. Die stille und ehrliche. Man muss es nicht sagen, man fühlt und spürt es: Weil man sich immer wieder füreinander entscheidet und bleibt. Auch wenn ich es nicht aussprechen muss: Ich liebe diesen unperfekten Menschen, wegen seinem Inneren, das er mir freiwillig offenbart. Der mich teilhaben lässt, auch wenn es nicht die Blumenwiese ist und alles hässlich ist. Der mir sein Vertrauen schenkt und auch dann bleibt, wenn es mir selbst nicht gut geht und ich selber Hässlich bin. Wir begegnen uns, kommen aufeinander zu, lassen Raum und bleiben. Ich entscheide mich jeden Tag für ihn. Gerade weil er nicht „perfekt“ ist, sondern „echt“. Das Schöne daran: Er weiß es… Ohne ein Wort darüber zu verlieren zu müssen und vielleicht erlaubt er mir, ihn genau so zu lieben.
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