Ein sonniger Samstag Morgen in meiner „neuen“ Heimat, irgendwo zwischen Hamburg und Bremen. Kein Wölkchen am Himmel, Vogelgezwitscher, das Ortszentrum unseres Dorfes ruhig und wenig hektisch. Es ist fast schon idyllisch und genau so mag ich es. Auch wenn ich „mittendrin“ wohne, es ist wirklich entspannt. Wie jeden Morgen habe ich meine Wohnung gefegt und (weil Samstag ist) gewischt. Abwasch, Wäsche, Bett richten, Sofa absaugen. Man könnte mich schon fast den „perfekten“ Hausmann nennen. Es fühlt sich gut an und im Nachhinein betrachtet, war dieser Schritt notwendig um mich selbst zu „resetten“.
Ich lebe jetzt in einer Fernbeziehung und irgendwie auf dem Weg dorthin, habe ich ein paar unbewusste Entscheidungen getroffen. Es mögen Kleinigkeiten sein, aber dieses Gefühl nicht mehr „allein“ zu sein, macht etwas mit einem. Banale Dinge wie die zweite Betthälfte zu beziehen, die gleichen Tassen zu besitzen oder eine Ecke für den Partner auf dem Sofa „reservieren“. Es fühlt sich „richtig“ und „gut“ an, auch wenn man weiß das es so schnell nicht zu einem Zusammentreffen kommen wird. Sie hat aber ihren Platz wenn sie „ankommt“ und so etwas wie ein „Zuhause“, wo sie sich sicher und geborgen fühlen darf. Gerade in solchen Momenten, wenn man auf solche Dinge blickt, wird einem manchmal bewusst, wie sehr sie mir doch fehlen kann. Man hat sich zwar noch nie gesehen, ist aber auf eine besondere Art und Weise miteinander verbunden, die kein Mensch erklären kann.
Es ist nicht immer leicht mit einem Menschen zusammen zu sein, der seine Kämpfe meist allein ausfechten muss. In solchen Momenten wünscht man sich manchmal, Entfernungen wären bedeutungslos. Einen Teleporter wie in Star Trek oder die Selbstverständlichkeit virtueller Welten, in denen wenige Klicks genügen. Man möchte da sein, nicht nur mental sondern physisch, um zu unterstützen. Ich möchte sie in den Arm nehmen, festhalten, drücken und solange nicht loslassen, bis sie sich wieder besser fühlt. Die Sehnsucht ist manchmal schwer auszuhalten. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit kann einen, gerade in schweren Phasen des Anderen, oftmals überrennen. Man will, kann aber nicht und sowas frustriert schon manchmal. Dennoch ist es genau das was eine Partnerschaft auf Distanz stärkt. Das es manchmal genug ist, einfach da zu sein und zu bleiben. Man hat die Sicherheit das der Andere das genauso möchte, auch wenn er es gerade nicht zeigen kann.

In Momenten, wo sie wieder eine schwere Phase durchleben muss, ist dieser Wunsch physisch präsent zu sein, besonders groß. Meist ist es dann auch das es sich im alltäglichen niederschlägt: Es wird still auf der anderen Seite. In solchen Momenten kommt dann die Sorge um sie zum Vorschein, selbst wenn man weiß das sie sich in guten Händen befindet. Man sieht es nicht, man spürt es einfach. Auch auf Distanz, hat man viel miteinander erlebt. Man lernt den Anderen kennen, weiß die Zeichen zu lesen, zu verstehen und entscheidet sich bewusst bei diesem Menschen zu bleiben. Nicht weil man in „heilen“ möchte, sondern (s)ein Anker ist. Vielleicht auch ein Hafen, in dem man kurz einmal „Luft holen“ kann, bevor die nächste Welle an der Kai-Mauer bricht.
Ich mag diese „Bilder“ von rauen Stürmen und ruhigen Häfen. Durch meine Verbundenheit zur Küste, die ich meiner Mutter zu verdanken habe. Meine Vorfahren mütterlicherseits waren, zum größten Teil, Seefahrer. Diese Gene trage ich in mir und ich muss gestehen, ignorieren kann und werde ich sie nicht. Vielleicht ist auch das was mich manchmal „unerschütterlich“ wirken lässt. Diese innere Ruhe, selbst wenn wieder Sturmfluten über einen hereinbrechen. Ich wünsche mir, das diese Ruhe auch auf sie einwirkt. Das sie daraus ein wenig Kraft ziehen kann, ihre Stürme zu überstehen. Weil sie weiß: „Ich habe einen Anker, der mich hält und einen Hafen in dem ich mich ausruhen kann und willkommen bin“. Ich glaube auch deshalb habe ich angefangen, ihr einen Platz in meiner Wohnung zu geben. Damit sie jederzeit „einlaufen“ kann um die raue See für einen Moment hinter sich zu lassen. Auch wenn dieses nicht spontan sein wird, weil uns einige Kilometer und Landesgrenzen trennen, wird dieser Hafen für sie immer erreichbar sein. Ich bin gerne ihr Lotse der bereit ist zu ihr zu kommen, um sie sicher in diesen Hafen zu bringen, ihr Hafenmeister, der sich um sie kümmert und ich wünsche mir das ihr das die Kraft gibt, den nächsten Sturm besser zu überstehen.
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