Vor ein paar Wochen habe ich noch gedacht, eine Beziehung kommt für mich (zu dem Zeitpunkt) nicht infrage. Vielleicht weil ich andere Maßstäbe setze oder mir eine Beziehung anders vorstelle. Vielleicht dachte ich auch das diese Ansprüche „zu hoch“ sind. So manchmal spielt aber (wer auch immer) da sein eigenes Spiel und meint: „Die beiden haben sich verdient. Setzt euch hin, lernt euch (richtig) kennen und macht was daraus“. Ganz ehrlich, damit habe ich nun nicht gerechnet. Vor allem deshalb nicht, weil ich nichts dafür getan habe. Oder besser gesagt: nichts, um jemanden zu erobern. Ich war einfach da. Ich habe zugehört, getragen, getröstet – so, wie man es für einen Menschen tut, der einem wichtig ist. Ohne Gegenleistung. Ohne Erwartungen. Und sie tat dasselbe für mich.
Irgendwann in den letzten Wochen haben wir dann gemerkt: „Moment, das fühlt sich nicht mehr „nur“ nach Freundschaft an“. Irgendwie hat sich da noch etwas anderes eingeschlichen, wir konnten es aber nicht wirklich in Worte fassen. Wir wussten einfach nicht, was das nun ist. „Vielleicht wissen wir irgendwann, was es ist“ sagte sie und damit haben wir es belassen. Wir haben weiter täglich geschrieben, telefoniert und jeder durfte bleiben wer er ist. Kein „du bist zu viel“, „du tust zu wenig“ es war in Allem einfach „GENUG“. Es gab immer wieder auch mal Zweifel und natürlich auch Angst, das dass alles nur ein Traum ist und man Gefahr läuft das dieser irgendwann endet. Diese Angst wird langsam leiser. Was es immer wieder ist, ist Gegenseitigkeit und Augenhöhe. Wir gehen nebeneinander ohne den Anderen zu ziehen oder zu drücken, um dem Ganzen eine Richtung vorzugeben. Es war nicht immer einfach, gerade wenn wieder einmal ein Orkan über einen von uns hinweg zog. Darauf basiert unsere ganze Entwicklung in dieser Geschichte. Wir waren beide in Situationen, die man eher als „schwierig“ bezeichnen könnte, wo wirklich Ausnahmesituationen waren, man sich aber entschloss beieinander zu bleiben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder gar zu fordern. Keiner musste das Gefühl haben „Allein“ zu sein oder im Stich gelassen zu werden, mit dem was derjenige gerade durchmachen mussten. Man blieb, auch wenn es schwer und die Kommunikation leiser wurde oder sogar verstummte.
Wenn ich ehrlich bin – und das bin ich immer – dann war da nicht dieses Gefühl von Hollywood-Kino, Schmetterlingen im Bauch oder Ähnlichem. Es ist eines das mit uns gewachsen ist. Leise, Still, aber stetig. Wo wir gegenseitig angekommen sind. Bei jemandem der den Anderen akzeptierte wie er eben ist. Mit all seinen Fehlern (wenn man sie denn so nennen kann), Schwächen, Ecken und Kanten. Es waren (und sind noch zum Teil) schwierige Zeiten, aber wir sind daran gewachsen ohne das wir das unter einen Begriff stellen mussten. Denn so wirklich, gab es den ja nicht. Bis zu dem Zeitpunkt wo wir dann wirklich gemerkt haben: „Das fühlt sich für uns gut und richtig an“. Das was wir haben ist eine „Beziehung“ ohne das es einer wirklich benannt hat, ein Datum dafür gab es nicht und auch hier trafen wir (eigentlich sie) diese Entscheidung. Leise und ohne große Worte.
Ich erinnere mich genau an diese eine Sommernacht, wo man vor Wärme schwer schlafen konnte. Ich war noch wach, vor dem Fernseher in eine Serie vertieft. An dem Tag war es etwas ruhiger und eigentlich hatte ich ihr schon eine gute Nacht gewünscht, wie ich es jeden Abend tue. Es war gegen 1 Uhr Nachts, wo sie mir schrieb und die Nachricht mich tief berührte. Vor allem wegen drei kleiner Worte: „mein geliebter Mann“. Ihr könnt euch sicher vorstellen, das ich das mindestens 10 mal lesen musste um das zu realisieren, das sie mich nun so sah und nannte. Es fühlte sich aber nicht so an, als würde sie mir etwas aufzwingen wollen. Es war eher eine Bestätigung für das, was wir beide schon länger wussten und fühlten. Wir sind schon immer ein wenig „anders“ gewesen. Gerade deswegen verstehen wir uns manchmal ohne Worte, weil wir uns ähnlicher sind als wir Anfangs dachten. Sie gibt mir diese Gefühl „So anders bist du gar nicht, du wurdest nur nie wirklich gesehen. Aber ich sehe dich und du siehst mich. Das ist genug!“
Sie kam immer aktiv auf mich zu: Discord-Kontakt, Handynummer, Anrufe, das erste „ich hab dich lieb“ und zuletzt der Beziehungsstatus mit einem Datum (von dem ich 4 Wochen lang nichts wusste). Das sich jemand für mich interessierte, einsetzte und mich bewusst wählt war neu und ungewohnt. SO kannte ich das bisher nicht: Das jemand blieb, weil er es wollte. Das ich offen und ehrlich über das was ich fühlte, dachte, meinte reden kann ohne gewertet zu werden. Das es keine Tabu-Themen gibt sondern Offenheit und Neugierde. Das überraschend Aufmerksamkeiten kommen, nur um mir eine Freude zu machen ohne den geringsten Anlass. Das ich nicht „zu viel“ bin, sondern genau richtig. Das man 15 Stunden am Telefon bleibt um sich durch den Abend, die Nacht und den Morgen zu begleiten. Nähe die keine physische Präsenz braucht nur um zu existieren. Aber es waren auch die dunklen Momente, wo Verzweiflung, Angst, Wut und Erschöpfung existierten. Wo jemand still wurde, keine Antworten auf Nachrichten kamen. Gerade dann zeigt sich, wer nur vom bleiben redet und wer es wirklich tut. Sie blieb, ich blieb, Ende der Geschichte? Nein! Es war der Anfang von etwas, das wir beide nicht erwartet haben: Liebe in einer besonderen Form.

Diese Liebe zwischen uns ist leise, unperfekt aber echt. Sie brauchte ihre Zeit um zu wachsen. Das ist es am Ende, was zu diesem „Wir“ geworden ist. Das Bleiben wenn es wirklich darauf ankommt und Stürme über einen hinweg ziehen. Die bewusste Entscheidung für den Anderen, jeden Tag, auch wenn dieser keine Kraft hat um zu antworten. Was daraus entsteht, ist mehr als eine „Verliebtheit“. Es ist ein Fundament auf dem man aufbauen kann. Vertrauen, Verständnis, Rücksicht, Respekt, Nähe und Wärme. So fühlt sich „Sicherheit“ an. Keine Zweifel, keine Angst, kein Kampf und keine ständigen Beweise dafür, das man sich gegenseitig im Leben haben möchte. Viele denken, das es mehr benötigt, tut es aber nicht. Wir haben uns noch ein paar Dinge aufgehoben, die wir voneinander nicht kennen aber kennenlernen wollen. Aber hierfür brauchen wir Geduld und Zeit, die wir beide aufbringen wollen, auch wenn die Sehnsucht manchmal schwer auszuhalten ist. Wir sind beieinander angekommen, wollen beieinander bleiben und eine schönere Form von einem „Wir“ kann ich mir nicht vorstellen. Denn das ist es was am Ende zählt: Das man gemeinsam trägt, mit- und nebeneinander geht. So wie früher als man sich in der Schule die Zettelchen zugeschoben hat mit „Willst du mit mir gehen?“ Viel später erkennt man, was diese Frage wirklich bedeutet und wir haben uns bewusst entschieden diese Wege miteinander zu gehen.
Wir sind in einer Beziehung und es fühlt sich leicht an diese zu leben. Weil es eben kein Label bis hierher brauchte und eigentlich, wenn wir ehrlich sind, kein Label brauchen würde. Vielleicht ist der Begriff „Gefährten“ hier passend, auch wenn wir Partner, beste Freunde und alles Andere gleichzeitig sind. Wir gehen miteinander, dem Gefühl das wir uns nicht nur lieben, sondern auch aufeinander verlassen können und bleiben werden. Auch dann wenn es schwierig wird.
Ich möchte euch am Ende noch eines mitgeben: Verlieben kann man sich schnell. Sei es ins Aussehen, die Ausstrahlung oder welche Gründe auch immer euch anziehen. Das was wir hier erlebt haben und erleben dürfen, ging nicht von einem Wunsch aus, den Partner fürs Leben zu finden. Wir waren Freunde, wurden beste Freunde, es entstanden Gefühle und daraus entwickelte sich dann das was wir heute sind. Dieser Weg ist länger gewesen, sorgte am Ende aber dafür, das wir uns wirklich kannten und mit wirklich meine ich wirklich, wirklich. Nicht nur die guten, sondern auch die hässlichen Seiten unserer Persönlichkeiten. Kein Mensch ist perfekt, es fehlt uns nur manchmal derjenige der genau diese Unperfektheit liebt, nicht verändern will und trotzdem bleiben möchte. Und ein kleiner Tip am Rande: Nehmt euch Zeit. Entscheidet nicht nur aus einem anfänglichen Gefühl heraus. Manchmal muss man Umwege gehen um da anzukommen, wo man wirklich geliebt werden kann. Nicht perfekt, aber dafür echt.
Danke das ihr nach langer Zeit mal wieder angehalten habt. Passt auf euch auf.
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