Es gibt Tage, an denen man einfach nicht mehr reden oder schreiben kann. Alles kostet Unmengen an Kraft und manchmal auch Überwindung. Menschen die viel tragen müssen, haben hierfür meist nicht die notwendige Energie. Sie müssen ihre Kräfte einteilen für das was in dem Moment wichtiger ist. Nicht jeder kann mit einer anhaltenden Stille umgehen, weil man vielleicht aus vergangenen Beziehungen solche Situationen mit Ablehnung verstanden hat. Man kann sowas nicht pauschalisieren, dafür laufen Beziehungen nicht nach einem festen Fahrplan ab.
Oftmals ist es auch so, das Unstimmigkeiten nicht aus der Welt geschafft wurden. Man „hängt“ mit den losen Enden irgendwie in der Luft. Daraus kann Unsicherheit wachsen, wenn auch im eigenen Leben gerade nicht alles „nach Plan“ verläuft. Somit zerren diese beiden „Seile“ permanent an jemandem und man versucht irgendwie zumindest ein Problem lösen zu können. Man beginnt selbst „zu ziehen“, denn der Rückzug des Partners wird in diesem Moment selbst zur Aufgabe. Sicherheit wieder herstellen. Zumindest soweit, das die Nerven sich wieder beruhigen. Verlustangst kann hier zu Druck führen, den man (unbewusst) auch seinem Partner spüren lässt. Daraus folgt noch mehr Stille und der Kreislauf beginnt von vorn. Ich habe selbst diesen Fehler aus meiner eigenen Unsicherheit heraus gemacht, weil mein Leben gerade nicht wirklich „geordnet“ ablief.

In solchen Momenten, denkt man nicht an den Partner, der vielleicht gerade selbst zu kämpfen hat. Gerade wenn man (eigentlich) wissen müsste, das er selber viel zu tragen hat. Das er auch hierfür seine Kraft primär braucht. Natürlich wünscht man sich in solchen Momenten wenigstens ein kleines Zeichen. Das bedeutet nicht das man Unsicherheit mit einem „Nachrichten-Feuerwerk“ bekämpfen muss. Man sollte der Beziehung vertrauen. „Ich gehe nicht, wenn es schwierig wird“ ist nicht nur ein Versprechen. Nicht jedes Schweigen ist Ablehnung, gerade dann nicht wenn man zuvor bereits einiges miteinander erlebt hat. Eine echte Partnerschaft/Beziehung kann auch so etwas aushalten, gerade wenn diese Situation nicht zum ersten Mal auftritt. Das meine Partnerin wieder zurück kommt, wenn sie wieder Kraft und Energie hat, hat dieses in der Vergangenheit (mehrfach) gezeigt.
Und manchmal, ist es dann dieses kleine Zeichen, das die Stille durchbricht. Ein Lied, ein Meme, ein Bild. Etwas das zeigt „Ich bin noch da und habe an dich/uns gedacht“. Man selbst sollte daraus nicht ableiten das er jetzt wieder zurück ist, das alles wieder „normal“ ist. So funktionieren Menschen selten, aber man weiß „Er/Sie“ ist noch da und sowas sorgt wieder für Sicherheit. Die Beziehung ist nicht zu Ende, nur weil man seine Ressourcen anders verteilen muss. Und ja, nicht jeder hat dieses Vertrauen in eine solche Partnerschaft. Nicht jeder hält die Stille aus oder hat Geduld sie auszuhalten. Dafür sind viele Menschen nicht in Beziehungen hinein gewachsen, so wie ich es bin.
Meine Beziehung ist nicht nach dem Muster „Kennenlernen – Verlieben – Vertrauen aufbauen – Partnerschaft“ entstanden. Vielleicht ist auch das, warum ich die Stille meiner Partnerin gerade anders sehe und nachvollziehen kann. Es ist nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Ich kenne meine Partnerin, selbst wenn ich nicht bei ihr sein kann. Ich kenne diese Rückzüge, ich verstehe sie und dennoch entscheide ich mich jeden Tag wieder für sie. Ein „Guten Morgen“ – ein kleines Signal am Tag „ich bin noch da“ – „Gute Nacht“ und auch dann wenn ich später ins Bett gehe noch eine kleine Nachricht. Ich mach das für sie, damit auch sie die Sicherheit hat „Mein Schweigen stößt ihn nicht weg. Er bleibt, wie er es versprochen hat“. Ich halte meine Versprechen, ich stehe auch zu meinem Fehlverhalten und übernehme Verantwortung dafür. Und ihr Schweigen ist kein Fehler, es ist (m)ein Signal. Eine „gesunde“ Beziehung hält das aus, wenn man sich wirklich liebt, ehrlich miteinander umgeht und einander vertraut. Und, das ist was unsere Beziehung besonders macht. Man darf sich zurückziehen, man darf seine Energie anders verteilen, man darf still werden und es bedarf keiner Entschuldigung oder Erklärung hierfür. Das ist eine Sicherheit die auch in vielen meiner Beziehungen gefehlt hat, die ich jetzt bekomme weil ich sie selber gebe. Ja, es setzt viel Vertrauen voraus, viel Kraft und Geduld. Aber ich laufe nicht weg, nur weil es gerade schwierig ist. Ich liebe sie, auch dann wenn sie es selbst gerade nicht zeigen kann und entscheide mich jeden Tag für sie und bleibe. Sie wird wieder kommen, wenn sie die Kraft dafür hat. Ich werde sie erwarten, nicht werten und sie einfach weiter lieben.
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