In letzter Zeit fragen sich einige von Euch , was mit mir los iist. Manche laut, viele leise. Warum meine Worte anders klingen. Warum meine Texte weniger verspielt und dafür klarer geworden sind. Warum zwischen den Zeilen mehr Haltung liegt als Hoffnung. Diese Beiträge sind kein Angriff, keine versteckte Botschaft, kein dramatisches Umdeuten meines echzen Lebens. Sie sind Ausdruck eines inneren Prozesses. Sie sind der Versuch, ehrlich zu formulieren, was sich verändert hat – in mir.
Ich bin nicht nur ein Avatar. Ich bin der Mensch dahinter. Mit allem, was das Menschsein ausmacht: mit Trauer über das, was nicht gehalten hat. Mit Wut über Respektlosigkeit. Mit Enttäuschung über Worte, die ausgesprochen wurden und später keine Bedeutung mehr hatten. Aber auch mit Dankbarkeit. Mit Liebe. Mit Lernbereitschaft. Mit der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – selbst dann, wenn es unbequem wird.
Beruflich bin ich einen Weg gegangen, der Mut verlangt hat. Ich habe nicht nur davon gesprochen, etwas zu verändern – ich habe es getan. Bewerbungen geschrieben. Abschlüsse gemacht. Gespräche geführt. Entscheidungen getroffen. Ich habe meine Komfortzone verlassen, nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung. Wenn ich sage, dass ich handle, dann meine ich das. Und ja, ich bin stolz darauf. Nicht laut. Aber tief.
Privat bedeutete dieser Weg ebenfalls Einschnitte. Trennung von meiner RL-Frau. Abstand zu meiner Tochter im bisherigen Alltag. Loslassen eines Lebensabschnitts, der 16 Jahre meine Realität war. Das sind keine kleinen Schritte. Das sind Momente, die einen formen. Die einen zwingen, sich selbst neu zu betrachten. Und genau dort begann etwas Entscheidendes: Ich wollte nicht mehr nur reagieren. Ich wollte bewusst leben.
Ich habe verstanden, dass Worte ohne gelebte Werte nichts tragen. Dass Nähe ohne Verantwortung irgendwann zerbricht. Dass Freundschaft keine Option ist, die man je nach Energielevel aktiviert oder pausiert. Und ja, es gab Worte, die Hoffnung versprachen. Nicht nur leise, sondern klar und deutlich. Worte, die Perspektiven zeichneten. Als sie später relativiert oder entwertet wurden, tat das weh. Nicht aus gekränktem Stolz – sondern weil Integrität für mich kein Spiel iund Gefühle ehrlich sein sollten. Heute kann ich sagen: Diese Erfahrung hat mich nicht verhärtet, sondern präziser gemacht.
Freundschaft bedeutet für mich heute Augenhöhe. Ehrlichkeit ohne taktisches Weglassen. Verbindlichkeit ohne Besitzanspruch. Raum ohne Manipulation. Und vor allem Respekt. Respekt zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern in kleinen, konstanten Handlungen. Im Dranbleiben. Im Klartext. Im „Ich meine, was ich sage“. Wer Werte und Worte nicht lebt, verrät sie – und letztlich sich selbst. Das gilt auch für mich.
Ich halte keine Konstrukte mehr künstlich aufrecht. Ich fülle keine Stille mehr aus Angst. Ich renne niemandem hinterher, um Nähe zu sichern. Aber ich verschließe auch nichts. Wer mir begegnen möchte, findet mich. Wer bleiben will, darf bleiben. Wer gehen muss, geht ohne Drama. Ich halte das aus.
Meine Posts sind daher kein Rätsel und keine subtile Botschaft an einzelne Personen. Sie sind Spiegel meines inneren Zustands. Sie dokumentieren einen Weg zurück zu mir selbst. Und sie zeigen: Veränderung ist kein Ausbruch. Sie ist eine Rückkehr. Eine Rückkehr zu Haltung, zu Klarheit, zu Selbstachtung. Und ja – auch mit 55 kann man noch einmal neu anfangen. Nicht aus Verzweiflung, sondern aus Bewusstsein. Nicht weil man zu spät dran ist, sondern weil man endlich bereit ist.
Und was SL betrifft: Vor Monatsende ist nicht damit zu rechnen, dass ich nach SL zurückkehre. Aber ich kehre zurück. Etwas leiser. Weniger intensiv. Weniger Rolle. Mehr Mensch. Echter. Realer. Und mit einem klareren Bewusstsein dafür, wer ich bin – und wer ich nicht mehr sein werde.
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