Ich wurde gefragt, warum ich mein Innerstes nach Außen kehre und öffentlich Poste. Was ich mir davon versprechen würde? Warum ich jeden hinter meine Fassade blicken lasse und meine Sichtweise darstelle. Die Frage ist nicht unbegründet, zeigt aber das der Sinn dessen nicht verstanden wurde.
„Es gibt zwei Arten, Licht zu verbreiten: selbst die Kerze zu sein oder der Spiegel, der es reflektiert.“ – Edith Wharton
Hat jemand Goethe gefragt, warum er dichtet? Hat jemand jemals Bach, Mozart oder Debussy gefragt warum sie Musik machten? Hat man Maler wie Van Gogh, Monet, Picasso gefragt warum sie malen? Alle diese Menschen haben eines gemeinsam: Sie haben sich mit dem was sie taten ausgedrückt. Wer hinsieht, hinhört, liest und versteht, erkennt den wahren Grund: Es ist NICHT der Wunsch nach Anerkennung. Es geht um das verstanden werden, darum seine Gedanken/Gefühle zu teilen, andere daran teilhaben zu lassen. Viele „verstehen“ nicht. Viele „erkennen“ nicht. Viele „sehen“ und „hören“ nicht. In einer Welt in der SocialMedia nur noch „Konsum“ ist, wo es an Tiefe fehlt, wo jeder nur dem Kommerz hinterher rennt, sind Menschen die tief blicken lassen „unsichtbar“.
Es geht NICHT darum, damit Geld zu verdienen. Es geht NICHT darum, Menschen von seiner Denkweise zu überzeugen. Es geht NICHT darum, eine bessere Welt zu erschaffen oder andere große Ziele zu verfolgen. Es geht (mir) darum das ich meinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf lasse und man mich (vielleicht) versteht und erkennt, wer und was ich bin. Es steht jedem frei, hinzusehen wenn er will, ansonsten scrollt er einfach weiter. Die, die stoppen, lesen, denken, verstehen und sich damit beschäftigen, sind die, die „echte“ Begegnung (mit mir) wollen. Begegnung mit Gedanken, Gefühlen, Verständnis für das was und wie ich schreibe. Die sich die „Mühe“ machen hinzusehen und nicht nur sehen, was sie selbst sind.
Vielleicht ist das auch eine Art von Philosophie. Vielleicht ist eine Möglichkeit der Selbstreflexion. Vielleicht ist es im Grund aber auch nur ein Wunsch. Ich lasse das bewusst offen – weil ich nicht in Antworten schreibe, sondern im Denken. Ich schreibe nicht weil ich Anerkennung suche, nicht nach Aufmerksamkeit, sondern vielmehr um „gesehen“ und „verstanden“ zu werden. Es genügt nicht zu sagen „Das bin ich“ sondern darum, auch hinzuschauen was dieses „Ich“ ist. In einer Welt wo es nur um sozialen Egoismus geht. Wo es nicht mehr darum geht Empathie, Verständnis und Toleranz aufzubringen, Fehler nicht zu sehen und einzugestehen, setze ich mich damit auseinander. Bewusst und öffentlich. Weil ich so bin. Weil ich es vielleicht „kann“.

Man kann es „zerdenken“ nennen, weil man Zuviel nachdenkt. Weil man sich nicht damit zufrieden gibt, nur zu verstehen was sein Anteil an irgendetwas ist und sich auch mit den Folgen auseinandersetzt. Man nimmt sich „Zeit“ für sich und für Andere. Man versucht zu verstehen, warum ein Mensch so ist wie er ist und handelt. Menschen sind nicht alle so „Tief“ mit sich selbst. Sie schauen nicht auf Andere und was ihre Einstellung, ihr Verhalten mit dem Anderen macht. Sie wollen es auch nicht. Nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil es etwas erfordert was viele nicht mehr besitzen. Emotionale Intelligenz. Emotionen wahrnehmen, zu verstehen, diese zu regulieren und zu mentalisieren.
Mentalisierung – auch Theory of Mind genannt – beschreibt die Fähigkeit das eigene Innenleben und das anderer Menschen gleichzeitig im Blick zu halten. Nicht nur zu fragen „was fühle ich?“ sondern auch „was fühlt der andere und warum?“. Mentalisierung ist nichts, was man einfach besitzt oder nicht besitzt. Sie entwickelt sich – und sie kann verloren gehen, wenn man sie nicht bewusst hält. Das ist etwas das man kann oder eben nicht. Vielleicht ist das auch eine Frage des „Wollens“. Will ich verstehen was der Andere fühlt oder interessiert es mich (aus welchen Gründen auch immer) nicht? Diese Fragen stelle ich mir und die Antworten trage ich nach außen. Ich denke „laut“ und lade jeden dazu ein daran teilzuhaben. Mich zu „erkennen“, zu „sehen“ und zu „verstehen“, wenn er es will und kann!
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