Ich habe für mich beschlossen, erstmal eine Weile „allein“ zu bleiben. Nicht weil ich nichts mehr fühle, sondern weil ich „zu tief“ und „zu viel“ fühle. Das ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil es immer wieder dazu führt das man verletzt wird, Segen für denjenigen der damit umgehen kann und (vielleicht) genauso empfindet. Tiefe auf beiden Seiten, ehrlich und authentisch. Solche Menschen suchen nicht, sie begegnen sich in seltenen Fällen und meist dann, wenn man nicht damit rechnet. Solche Begegnungen haben das Potenzial für Freundschaft, Partnerschaft und Liebe.
Trotzdem bleibt da etwas, das einen zum Nachdenken bringt. Und während ich das schreibe, stehe ich zwischen Kartons, Möbeln, einem neuen Alltag. Vieles ist noch nicht ganz angekommen – genau wie ich selbst. Der erste Gedanke ist, woran sind die bisherigen Beziehungen (gleich welcher Art) gescheitert? Der nächste Gedanke ist: hat man genau hingesehen, ob der Gegenüber das erwidert bzw. erwidern kann was man ihm entgegenbringt? Konnte man wirklich immer „Offen und Ehrlich“ sein, weil man sich „sicher“ gefühlt hat? Hat man eher „gehofft“ als „geliebt“ und wurde man auch „zurück geliebt“? Wurde man verstanden oder war es doch eher nur eine „zur Kenntnisnahme“? Und was – verdammt noch mal – habe ich falsch gemacht? Wo war der Zeitpunkt, als man nur noch „nebeneinander“ existiert hat? Wo ist die Tiefe und das Gefühl geblieben, welches am Anfang noch präsent gewesen ist? Und warum ist der andere nicht ehrlich genug zu sagen, was ihn stört oder bewogen hat es zu beenden? Ich will doch nur Klarheit!
Das sind viele Gedanken die einem durch den Kopf schießen und meist muss man eingestehen, das es meist an dieser „rosaroten Brille“ gelegen hat. Dieser „Idealvorstellung“ von einer (nahezu) perfekten Beziehung. Vielleicht war es auch die Hoffnung, das es diesmal „Die/Der Richtige“ werden könnte. Wenn wir uns mal die Entwicklung (m)einer „Beziehungen“ ansehen, folgte sie immer dem gleichen Muster. Kennenlernen, Aufbau von Vertrauen, tiefe Gespräche, Gefühle die tief gingen und konstant (von mir) gehalten/gezeigt wurden, Pläne für ein gemeinsames „Leben“ – zum Teil auch die Umsetzung verbunden mit einem Versprechen, Abgabe von Verantwortung für einzelne Bereiche und die Gefühlsebene (einseitige Investition meinerseits), Alltag, Rückzug des Partners, manchmal Streit, Ende. Das ist meine Kurve. Ich habe zu früh zu viel in Menschen investiert, die noch nicht gezeigt haben, dass sie das tragen können. Am Anfang geht das noch gut, aber dann verließen meinen Partnerinnen der Wille, die Kraft oder was auch immer um das aufrecht zu erhalten. Es war immer ich, der am Ende gegeben hatte. Zeit, Arbeit, Gefühle, Bewegung, Motivation alles für die Beziehung zu tun was nötig ist. Am Ende war das was zurück kam nahezu Null und man redete auch nicht darüber. Man würdigte nicht meinen Einsatz, meinen Mut, mein „Wollen“. Ich war vielleicht „zu viel“/“zu wenig“ geworden oder ich habe mein Gegenüber überfordert. Man muss dann auch ehrlich sein und sagen „das passt so nicht“. Ich war mit Sicherheit auch nicht immer „Pflegeleicht“ und habe einige Fehler gemacht, das will ich gar nicht abstreiten. Im Gegensatz zu meinen gescheiterten Verbindungen, versuche ich mich aber damit auseinander zu setzen, diese auch einzugestehen und daran zu arbeiten. Ob das bei meinen Ex-Partnern auch passiert, ist eine Frage die ich nicht beantworten kann. Dafür müsste vielleicht ein Rest von Gefühl da sein, wenn das nicht auch schon abgestellt wurde.

Wenn ich jemanden liebe, dann mit jeder Faser und das (nahezu) konstant. Mit meinen Gefühlen, Gedanken, Empfindungen, dem Interesse am Anderen, Rücksicht, Verständnis, Toleranz, Verantwortung, Hingabe. Ich will wissen wie es ihm wirklich geht, was ihn beschäftigt, ob er Sorgen oder Nöte aussteht, was er fühlt, denkt, sieht, erlebt. Das mag vielleicht anstrengend sein aber wenn man das auch zurück bekommt, nimmt man sich selbst den Druck von den Schultern. Man „trägt“ gemeinsam statt es einem aufzuladen. Jeder trägt die Verantwortung für sich selbst und den Anderen zu gleichen Teilen und teilt sie. Rücksicht zu nehmen, wenn er vielleicht gerade etwas nicht zu 100% kann und ihn zu Unterstützen. Verständnis dafür aufzubringen, das er vielleicht etwas anders sieht und sich damit auseinander zu setzen – man muss es nicht akzeptieren aber man kann es respektieren oder tolerieren. Fürsorge wenn der Partner am Ende seiner Kräfte ist, präsent zu bleiben auch wenn es einen selbst Kraft kostet. Respekt vor dem was der Andere leistet oder geleistet hat und dieses nicht klein zu machen oder abzuwerten. Nähe die aus einer einfachen festen Umarmung besteht, weil sie gerade dann auch genügt. Über sein Empfinden reden zu können ohne das es in einer Diskussion endet. Sicherheit das man akzeptiert und gesehen wird. Solche, für den ein oder anderen, „selbstverständliche“ Dinge. Nichts ist „selbstverständlich“, alles ist eine bewusste Entscheidung / Handlung. Am Ende ist vielleicht genau das was meine Partnerschaften beendet hat: Alles als Selbstverständlich zu sehen und dieses nicht zu würdigen oder etwas zurück zu geben. Alles einfach abzuladen ohne selbst zu investieren, zu handeln oder Verantwortung übernehmen zu wollen. Den Blick auf sich selbst und das was es bei mir auslöst, fand ich bei meinen ehemaligen Partnerinnen am Ende nicht. Womit das was ich tat immer wieder einseitig wurde und ich daran zerbrach.
Deswegen kommt für mich derzeitig keine „Beziehung“ in Frage. Ich will nicht mehr derjenige sein, von dem alles ausgeht ohne etwas zurück zu bekommen. Der einseitig statt gegenseitig liebt, alles für eine Partnerschaft/Beziehung bereit ist zu leisten während der andere nur nimmt. Ich habe „zu viel geliebt“, einseitig, konstant und es hat mir am Ende Schmerzen bereitet, Kraft gekostet, weil ich gedacht habe ich sei „sicher“ und es nicht war. Das will ich nicht mehr, solange bleibt es für mich erstmal bei Begegnungen und einer gesunden Vorsicht. Noch einmal möchte ich nicht zerbrechen. Diese Wunden brauchen Zeit zum heilen. Vielleicht begegnet mir jemand, der das auch so sieht und es kann eine echte gegenseitige Liebe/Partnerschaft entstehen. Ich bin nicht „kalt“ geworden, aber vorsichtiger und präziser. Die Hoffnung gebe ich nicht auf, aber ich sehe zukünftig genauer hin bevor ich anfange zu „lieben“.
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