Wie ihr aus meinen Beiträgen entnommen habt, habe ich in den letzten Monaten eine ziemlich anstrengende Reise unternommen. Neuer Job, neue Stadt, musste mit Verlusten klarkommen und habe einen Weg zu mir selbst gefunden. Allerdings hat das alles auch einen gewissen Energieverbrauch. Dieser war (sowohl körperlich als auch mental) in diesen 4 Monaten ziemlich hoch und nicht alles aus dem zuvor genannten kann man immer mit 100% bedienen. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. Sei es Beziehungen, Gesundheit oder der Job. Letzteren habe ich nun verloren, weil vielleicht auch die Ansprüche auf beiden Seiten einfach zu hoch waren. Vielleicht war es auch einfach nicht das Richtige für jemanden in meinem Alter, der sich primär auf seine Erfahrung verlassen konnte, statt Probleme mit einer KI zu lösen.
Auch in anderen Belangen habe ich (vielleicht) versagt. Als Partner, Ehemann, Vater, Freund. Man kann nicht immer davon ausgehen alles richtig zu machen. Das ist etwas, was einen über die Dinge stellen würde. Fehler, die man gemacht hat, sind nicht zwangsläufig Versagen aber manchmal fühlt es sich so an. Wobei ich für mich sagen kann, das ich immer versucht habe alles zu gegeben, was in meiner Macht steht um ein gutes Gegenstück zu jemandem zu sein. Auch bis zur (scheinbaren) Selbstaufgabe und Entscheidungen die am Ende mehr Kraft gekostet haben, als das sie einem ein „ruhiges“ Leben bescheren. Ich habe meine Fehler (ein)gesehen, habe dazu gestanden und versucht daran zu arbeiten. Etwas das auch Mut erfordert und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Die Erkenntnis, versagt zu haben (egal in welchem Bereich) ist bitter und lässt Menschen in ein tiefes Loch fallen. Immerhin hängt an diesem Versagen einiges dran. Im Job die finanzielle Sicherheit, in Beziehungen der Verlust von Menschen und auch allgemein der Verlust des Selbstwertes. „Du kannst/bist es nicht. Du hast versagt“. Erkenntnisse sind schwer zu verdauen und auch hier kosten sie wieder Kraft, die man bereits nicht mehr hat und schon steckt man in einem Strudel der einen immer tiefer zieht. Die Folge sind mitunter schwere Depressionen oder Suizidgedanken. Man kann einfach nicht mehr und Hilfe ist nicht zu erwarten, wenn man (vermeintlich) allein davor steht. Auch ich kenne solche Momente. Als ich im Krankenhaus lag, allein, und auf die Frage ob jemand Bescheid wissen soll antworten musste: Nein. Wo ich statt Unterstützung, Vorwürfe bekam. Das war der Moment wo der Körper und der Kopf sagte: genug. Es kostet Überwindung sich dem zu stellen, ehrlich zu sein und hinzusehen wo die Ursachen dafür liegen. Vor allem gehört es dazu, zu sehen das man nicht immer allein für etwas verantwortlich ist. Man darf die „Stärke“ haben, sich Hilfe zu suchen, denn das ist es am Ende: Stärke! Stark zu sein um seine Schwächen einzugestehen, dazu zu stehen und sich – wenn nötig- helfen zu lassen. Vor allem ist es wichtig dann jemand zu haben, der einen nicht im Stich lässt, zusätzlich stützt und begleitet. Ein soziales Netz ist wichtig, egal ob es nun real oder virtuell ist.
Versagen hat auch immer etwas, das man als Chance sehen kann. Im Job lernt man genauer hinzusehen auf das was man wirklich möchte und leisten will bzw. kann. In Beziehungen vielleicht erstmal zurückzuschrauben und eine Weile allein zu bleiben, bis man die letzte verarbeitet hat, um dann neu gestärkt wieder einen (oder denselben) Partner in sein Leben zu lassen. Oder man nutzt die Chance sich selbst zu erkennen, zu finden und an sich zu arbeiten. Dafür braucht es etwas Abstand um die Kraft-Tanks wieder aufzuladen. Ebenso auch Menschen die an einen glauben und die einem Kraft geben. Die einem Mut zusprechen, ihn unterstützen und nicht allein lassen. Das können Freunde, Therapeuten, Arbeitsvermittler oder auch Partner sein (sofern vorhanden) und manchmal sieht man selbst die Chance das eigene Versagen in Stärke umzuwandeln. In dem man nach vorne blickt und mutig weiter geht. Das ist das was ich tue – weil ich Menschen habe die mich nicht aufgeben und die an mich glauben. Danke das es euch gibt, auch wenn das nicht ausreicht, für das was ihr tut!
Wer das kennt und Unterstützung braucht: Die Telefonseelsorge ist kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 – rund um die Uhr.
Hilfe zu suchen und anzunehmen ist Stärke, vergesst das niemals!

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