Gerade sitze ich wieder in meiner noch unfertigen Wohnung und die Schmerzen lassen langsam nach. Dazu kommen Gedanken die sich weiter im Kreis drehen ohne wirklich „anhalten“ zu können. Wenn Beziehungen enden, egal ob real oder virtuell, denkt man viel nach. Gerade dann wenn es ruhiger wird und man nicht weiß, was man mit sich und seinen Gedanken anstellen soll. Was war mein Anteil daran, war ich „zu viel“ oder „zu wenig“? Was hat sich emotional beim Anderen verändert, das jetzt dieser „Bruch“ entsteht? Ist eine Freundschaft danach überhaupt möglich oder ist es nur der verzweifelte Versuch das Band aufrecht zu erhalten, das einst verbunden hat?

Vielleicht geht das, wenn beide das selbe Bild von Freundschaft haben. Freundschaft ist meist eine „Definition“ die recht weit ausgelegt werden kann. Der eine möchte eine Freundschaft auf Augenhöhe, wo jeder auch das Interesse, die Verantwortung für die Freundschaft trägt und die auf Gegenseitigkeit beruht. Der Andere möchte eine Freundschaft die auf Reaktivität ausgelegt ist. Also eine Freundschaft die eher eine Bekanntschaft ist. Man kann sich zwar aufeinander verlassen, man hilft wenn man fragt, aber echte Tiefe, Interesse, Nähe oder eine Gegenseitigkeit fehlt. Sicher gibt es auch weitere Formen von Freundschaft, die teilweise weiter oder enger ausgelegt werden können. Denken wir an das bekannte Freundschaft Plus – Modell. Auch eins das eher „schwierig“ werden könnte, wenn die Grenzen nicht klar definiert werden.
Freundschaft auf Gegenseitigkeit ist etwas das heutzutage selten geworden ist. Es geht nicht darum alles stehen und liegen zu lassen, wenn ein Freund in Not ist. Es sollte keine Rolle spielen wie man von der Situation erfährt. Der Freund braucht jetzt jemanden und keine Kommunikations-Strategie im Vorfeld. Ich möchte nicht darüber nachdenken müssen, wann der geeignete Zeitpunkt ist, jemandem zu schreiben. Ich möchte nicht darüber nachdenken, ob das was ich teilen möchte denjenigen interessiert, er ist ein Teil meines Lebens und ich möchte ihn teilhaben lassen. Ich möchte nicht überlegen müssen ob das was ich schreibe „komisch“ oder „zu viel“ ist. Ich möchte nicht „filtern“ sondern „SEIN“. „Sei du selbst“ – das funktioniert nur dort, wo man auch so angenommen wird. Ich möchte „gewollt“ sein und nicht nur geduldet. Freundschaft muss wachsen. Sie ist nicht gleich „präsent“ und hat keinen festen Rahmen- Sie muss sich entwickeln dürfen.
Menschen sind unterschiedlich in ihrer Wahrnehmung. Gerade wenn etwas voran gegangen ist das „tiefer“ ging als jede Freundschaft. Daraus auszubrechen und dieses zurück zu fahren, fällt mir persönlich schwer. Da bin ich ehrlich. Ich kann so etwas nicht einfach „abstellen“ weil es eine tiefere Verbindung gab. Das ist kein Einzelfall bei mir gewesen. Das zieht sich durch jede meiner Beziehungen die ich wirklich „tief“ empfunden habe. Ich bin so. Wenn dann richtig, oder gar nicht. Meine Erkenntnis daraus: Ich bin nicht „zu viel“ – man kann nur nicht damit (oder mir) umgehen. Und so verhält es sich auch mit echten Freundschaften. Man könnte mich um 3 Uhr morgens aus dem Bett holen, wenn ich gebraucht werde. Ich achte auf die, die mir als Freund nahe stehen. Und da ist der entscheidende Unterschied für mich: Freundschaft ist Nähe, Freundschaft ist Loyalität, Freundschaft ist Gegenseitigkeit, Freundschaft ist Augenhöhe, Freundschaft ist Verständnis, Freundschaft ist Vertrauen, Freundschaft bedeutet Verantwortung. Für sich selbst und den Anderen. Vor allem ist Freundschaft eines für mich: Etwas das ich lebe und das einen Wert hat.
Und manchmal, braucht es dafür nicht viel. Ich erlebe gerade genau das. Mit einem Menschen der über 1000 km entfernt lebt. Der für mich da war als ich ihn brauchte und für den ich jetzt da sein darf. Wo ein „Ich hab dich lieb“ ehrlich gemeint ist und keine versteckte Botschaft. Wo Nähe keine Körperlichkeit braucht. Wo Freundschaft im „Sein“ funktioniert und gelebt wird. Solche Freundschaften sind ein Geschenk. Ich habe einige Freunde die mir Nahe stehen, wofür ich wirklich dankbar bin. Aber das was ich hier gerade erlebe ist besonders. So besonders das ich manchmal überwältigt bin und mich zum weinen bringt. Weil es echt und tief ist. Weil Freundschaft hier gelebt wird ohne Bedingungen und ohne Fahrplan. Ohne das man etwas erzwingen muss. Wo eine Entschuldigung für etwas kommt, das man gar nicht erwartet hat und auch keiner Entschuldigung bedarf. Wenn du diese Zeilen lesen solltest: Danke für dieses Geschenk, ich werde gut darauf aufpassen und ich schenke es dir genauso zurück.
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