Als ich auf dem Konzert und der anschließenden Party war, habe ich mich das erste Mal seit langem wieder „lebendig“ gefühlt. Menschen, die so ticken wie ich, die selbe Musik mögen, laut, ehrlich, ungefiltert und „echt“ sind. Auch im „normalen“ echten Leben, habe ich diese Menschen (gefunden). Die Frage die sich mir also stellt, brauche ich „wirklich“ ein zweites Leben? Genügt nicht das erste reale Leben völlig?
Wenn ich an meine Anfänge in Second Life denke (und das ist jetzt fast 20 Jahre her), war ich täglich fast 24 Stunden online. Es war eine „Sucht“, Menschen mit denen man sprechen und interagieren konnte (mehr oder weniger). Kreatives Austoben, bauen, gestalten, scripten. Es folgte ein „Hard-Cut“ weil ich zu sehr in dieses Paralleluniversum abgetaucht war. Reales Leben fand eigentlich (abgesehen von den Grundbedürfnissen) kaum noch statt, weshalb ich (selbst) die Reißleine gezogen hatte. Ich war dann ein paar Jahre „untergetaucht“ bis ich vor ungefähr 8 Jahren den Weg zurück gemacht habe. Auch hier war es dann doch eher der Ausgleich vom realen Leben. Kreativität, andere Menschen, neue und alte Freundschaften die auch diesen „Cut“ überlebt haben (und heute noch anhalten).
Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel erlebt. Gutes und auch Schlechtes. Menschen die ich getroffen hatte und in mein reales Leben mitgenommen habe, Menschen die gegangen sind und um die ich trauere. Auch Wut, Hass, Liebe und Neid. Ich habe meine Passion wieder gefunden, Menschen zu unterhalten, Dinge zu gestalten die mir ein kleines Taschengeld einbringen. Große und Kleine Projekte, die auch heute noch Bestand haben. Aber was ist der Preis dafür? Jedes Mal wenn ich wieder „eintauchte“ habe ich vielleicht eine Rolle gespielt. Eine die nichts mit meinem realen Leben zu tun hatte. Etwas das man auf mich „projizierte“. Der immer fröhliche und gut gelaunte DJ vom Dienst. Der Spaßvogel im Chat. Was auch immer man sehen mochte. Aber hat je einer wirklich hinter die Fassade gesehen? Abgesehen von ein paar Wenigen eher nicht. Man ist nur ein weiterer Eintrag in der Freundschaftsliste. Wenn man selbst nicht aktiv wird, kommt nichts zurück. Tiefe die eine Freundschaft ausmacht, verkommt zur Oberflächlichkeit. Sehen und gesehen werden und ganz ehrlich: ich laufe niemandem mehr hinterher der sich für mich (in welcher Form auch immer) nicht interessiert. Small-Talk liegt mir nicht. Ich habe oft genug den ersten Schritt gemacht. Irgendwann resigniert man einfach – und gewinnt die Erkenntnis: So wichtig bin ich dann wohl doch nicht. Das hat auch meine dreimonatige Pause gezeigt. Es waren ZWEI(!!!) die sich gefragt haben ob es mir gut geht, aus einer Liste von 250 „Freunden“.

Es verhält sich genau wie mit den sozialen Medien. Reaktion nach Interaktion, Interaktion nur bei Gegenseitigkeit. Aber ist das noch „echt“? Jeder Blogger/Content Creator, will die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Für den Creator, für sich selbst. Es zeigt ein Bild das man entweder von sich selbst zeichnen möchte oder einfach nur „Präsent“ ist. Man hängt sich an ein paar von seinen Followern / Freunden dran um „gesehen“ zu werden, damit man nicht in der Masse der Timeline-Beiträge untergeht. Das ist nicht das was ich unter Authentizität verstehe. Authentisch wäre es zu sagen „ich zeige mich wie ich wirklich bin“, zumindest in diesem Kontext und für die, die es interessiert. Sicher möchte man das teilen, was man erlebt oder wofür man steht. Mache ich schließlich auch und beziehe auch andere damit ein. Aber das ist dann einfach auch meine Begeisterung/Meinung/Sichtweise in diesem Moment und ein kleiner Anteil ist auch „Eigenwerbung“. Ich unterscheide nicht (mehr) zwischen virtuellem und realen Leben, warum ich auch solche Texte schreibe. Wie soll man jemanden „wirklich“ kennen, wenn man nur immer um Aufmerksamkeit buhlt? „Seht her, wie toll ich bin und was ich alles gemacht/erlebt habe“. Nein, sowas will ich nicht. Ich will „echt“ sein. Gedanken/Erlebnisse/Meinungen teilen und mich zeigen. Meinen Support für Orte, Bands oder was auch immer leisten, wenn/wann ich es will. Ich verspreche mir davon persönlich nichts. Ich bekomme dafür nichts. Nicht mal „Sichtbarkeit“ und das will ich auch gar nicht. Wenn es „passiert“ ist es okay und ich freue mich. Aber mehr, kommt dabei nicht raus. Ich bekomme also auch keinen „VIP“ Status und auch das ist etwas das ich nicht forciere. Ich Schleime mich nicht ein, nur um gesehen zu werden. Das mag „isoliert“ klingen, aber das unterscheidet auch die Menschen die sich mit mir beschäftigen, von denen die nur die Oberfläche sehen (wollen). Authentizität fängt bei einem selbst an. Das zu zeigen und zu leben, wofür man steht. Sei es Werte, Worte und/oder auch Taten. Alles andere ist nur Schein und Oberflächlichkeit. Echtheit findet man dann auch eher selten (oder gar nicht).
Wenn ich jetzt die Frage beantworte, die ich Eingangs erwähnte: Im Moment brauche ich Second Life nicht täglich und wenn, nur zu den Zeiten wo ich mich dem „hingeben“ kann, was ich am liebsten tue. Menschen unterhalten, ein paar enge Freunde treffen und mich mit ihnen austauschen. Ich meine wirklich austauschen. Wo Interesse besteht Gedanken zu teilen, Sichtweisen zu diskutieren, ein wenig Ablenkung vom Alltag zu haben. Mich mit Menschen umgeben, die mich wegen meiner selbst mögen und sich nicht irgendwelche Vorteile davon versprechen. Das sind nur wenige, aber dafür sind sie „echt“ und die meisten sind mittlerweile auch nur im realen Leben zu finden, wofür ich wirklich dankbar bin.
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